Internetberatung Sven Przepiorka

Bitte nicht mehr RETWEETEN!

· Meinung · ·

In seinem Blog hat Claus Junghanns heute die Forderung nach mehr Retweets auf Twitter gestellt und begründet sie mit der Filterbubble. Ich bin von der Idee nicht so sehr begeistert.

Mein Verhältnis zu Twitter ist ja sehr abwechslungsreich, obwohl ich es eindeutig als mein Lieblingsnetzwerk bezeichnen würde. Mitte 2008 habe ich mit dem Twittern angefangen und seitdem habe ich mindestens ein halbes dutzend Accounts angelegt, in unterschiedlicher Intensität mit Kurznachrichten gepflegt und auch wieder gelöscht. Dabei habe ich alle möglichen Varianten ausprobiert: öffentliche und geschützte Accounts, private und geschäftliche Inhalte, 500 oder auch nur 20 Follower, etc.

Erst seit knapp einem halben Jahr habe ich meinen Frieden gefunden. Ich bemühe mich, maximal 100 anderen Twitter-Accounts zu folgen. Für mich habe ich festgestellt, dass dies einfach die Größe ist, die ich bei Twitter noch überblicken kann, ohne das alles in Stress ausartet. Twitter ist nämlich - ähnlich wie mein Mailprogramm - immer auf dem Mac geöffnet. Ich blicke zwar nicht ständig darauf, aber mir entgehen wenige Tweets in meiner Timeline. Und wenn ich mal ein Tag wirklich ausgelastet bin und selbst auf dem iPhone nicht dazu komme, zwischendurch meine Timeline zu lesen, gehöre ich sogar zu den Leuten, die am Abend vorm Schlafengehen teilweise die Timeline des Tages nachlesen.

Bei der Auswahl der Accounts, denen ich folge bin ich sehr wählerisch. Nur wenige sind dauerhaft gesetzt, weil es sich dabei um Arbeitskollegen, Freunde oder sehr geschätzte Blogger handelt. Die restlichen Accounts gehe ich alle paar Wochen durch und überlege mir, ob sie mich in den letzten Wochen vorangebracht haben. Ist dies nicht der Fall, fliegen sie aus meiner Timeline raus. Neue Accounts entdecke ich in der Regel über die relativ neue Explore-Funktion bei Twitter, indem ich mir die Favoriten oder neuen Follower anderer anschaue. Dabei ist es auch nicht ausgeschlossen, dass ich auch wieder Accounts in meine Timeline aufnehme, die ich vorher mal entfernt hatte. Rund 50% meiner abonnierten Accounts dürften wohl einer hohen Fluktuation unterliegen. Ein Grund für das dauerhafte Entfernen aus meiner Timeline ist es jedoch, wenn regelmäßig über ein Account gefühlt 100 Tweets pro Tag über jede noch so kleine Kleinigkeit verschickt werden. Auch politische Hitzköpfe entfolge ich gerne wieder.

Mir ist klar, dass mein Umgang mit Twitter sehr speziell ist. Aber so wie ich mir "mein" Twitter organisiert habe, macht mir die Forderung von Claus nach mehr Retweets etwas Angst.

Retweets sind in meinen Augen nicht das grundsätzliche Mittel, um die eigene Filterbubble zu verlassen und neue Accounts zu finden. Dafür gibt es die immer besser werdende Explore-Funktion oder eben das Hashtag #ff.

Wenn ich mir vorstelle, dass alle Tweets, die von meinen abonnierten Accounts favorisiert wurden, als Retweet in meiner Timeline landen würden, würde ich sofort wieder die Lust an Twitter verlieren. Retweets ist für mich das schnelle, aber dennoch überlegte Weiterleiten von einem lesenswerten Link bzw. einem interessanten Statement ohne Wertung. Stimme ich einem Statement zu, zitiere ich den Tweet und ergänze ihn mit +1 oder auch einem "dito". Ziel eines jeden Retweets ist es, den Inhalt mit meinen Followern zu teilen.

Für das Verteilen von persönlicher Anerkennung nutze ich dagegen die Möglichkeit, Tweets favorisieren zu können. Das Favorisieren kann aber auch gleichzeitig eine Bookmark-Funktion übernehmen oder anzeigen, dass ich den Tweets gelesen habe. Sozusagen ein schneller Smiley für Arme ;-) Wichtig für mich ist aber, dass das Favorisieren keine zusätzliche Belästigung meiner Follower darstellt.

Also: bitte nicht MEHR retweeten! So wie es ist, ist es doch gut.

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