Internetberatung Sven Przepiorka

Grundsätzliche Thesen für parteipolitische Auftritte im Internet

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Seit längerem mache ich mir privat Gedanken darüber, wie ein Internet-Leitfaden für das Auftreten der gesamte CDU im Internet aussehen könnte und ob ich selbst im kleinen dazu beitragen könnte.

In der Vergangenheit gab es ein paar gute Ansätze im Auftreten der CDU im Internet, aber unterm Strich ist die Situation aus meiner Sicht bislang noch recht suboptimal. Eine Gesamtstrategie ist für mich nicht erkennbar, jeder kocht sein eigenes Süppchen mit vor allem teils sehr unterschiedlichen Qualitäten in den Zutaten.

Auch wenn ich selbst nicht in der Lage und erst recht nicht in der Position bin, einen Internet-Leitfaden für die CDU zu entwickeln, habe ich mal ein paar erste, grundsätzliche, aber vor allem persönliche Thesen und Gedanken zu parteipolitische Auftritten im Internet festgehalten. Sicherlich müssen sie noch weiter reifen, aber vielleicht gelingt es mir ja, in einem meiner nächsten Blogeinträge daraus erste, grobe Ansprüche für mögliche Systeme abzuleiten.

1. Eine Partei braucht kein Soziales Netzwerk

Wenn man über eine Internet-Strategie für eine Partei nachdenkt, kommt man immer ganz schnell auf die Idee, dass ein Soziales Netzwerk genau die Lösung für alle Probleme ist. Eine kurze Inspiration bei Facebook & Co einholen, ein passendes System aus dem Internet herunterladen, eigenes Logo einfügen, ein Team aus zwei Leuten für die Betreuung abstellen und schließlich alle Mitglieder per E-Mail einladen. Fertig. Alle Mitglieder sind glücklich. Sie können sich nun endlich untereinander austauschen, Texte / Bilder veröffentlichen und aktiv an der Parteiarbeit beteiligen. Ok, ich gebe zu, das ist sehr hämisch beschrieben und will auch keinen beleidigen, der bereits mal ein Netzwerk angestossen hat. So einfach hat es sich sicherlich keiner gemacht. Manch Gedanke war mehr dahinter.

Dennoch kenne ich kein Soziales Netzwerk der CDU, was tatsächlich aktiv mit einer großen Reichweite genutzt wird. Dies hat aus meiner Sicht in der Regel damit zu tun, dass solche Netzwerke an der Zielgruppe vorbei geplant werden. Die falschen Funktionen werden den falschen Personen angeboten. Die parteipolitische Arbeit wird überschätzt und zu wenig als Teil des privaten Lebens verstanden. Wenn sich jemand politisch engagiert, will er dies überwiegend auch mit all seinen Freunden teilen und sich nicht davor in einem abgetrennten Netzwerk verstecken.

2. Vielfalt ist wichtiger als Zentralisierung

Die CDU ist als Volkspartei eine Partei der Vielfalt. Warum also nicht auch in der eigenen Darstellung im Internet?

Alle Zentralisierungen in Form von beispielsweise Sozialen Netzwerken oder landesweiten Baukästenlösungen sind zwar für den übergeordneten Verband und dessen Außendarstellung förderlich, den unterschiedlichen Strömungen innerhalb der CDU wird jedoch durch Entzug der Individualität und Lokalität zunehmend das Wasser abgegraben. Dies ist auch gerade deswegen bedauerlich, weil sich meinem Eindruck nach alle kleineren Organisationseinheiten durch ihre Individualität und lokale Verbundenheit definieren und allein darüber ihre persönliche Anerkennung erhalten.

3. Gute Werkzeuge bilden die richtige Basis

Wie für alle anderen Webseiten auch bilden erst gute Werkzeuge die richtige Basis für zukünftige Inhalte. Bei diesen Werkzeugen handelt es sich im wesentlichen um flexible, zukunftssichere, preisgünstige und schnell erlernbare Content-Management-Systeme, die entweder direkt als Hosting-Lösung oder als Download für den Einsatz auf dem eigenen Server angeboten werden. Das Paradebeispiel für so ein System ist sicherlich Wordpress, auch wenn ich es noch nicht als die perfekte Lösung ansehe. Hier kann ich nur die Entwickler und Designer in der CDU aufrufen, sich aktiver an der Entwicklung solcher Systeme zu beteiligen, um einen möglichst großen Pool von guten Werkzeugen unterschiedlicher Art aufzubauen. Ein gewisser Mangel daran ist leider bislang nicht zu leugnen.

4. Aktualität, Vollständigkeit und Transparenz sind das A und 0

Für jeden parteipolitischen Auftritt im Internet muss es eine Selbstverständlichkeit sein, dass die Inhalte stets aktuell gehalten werden. Nichts ist schlimmer, als wenn die Inhalte abrupt zu den Wahlergebnissen enden oder wenn noch der letzte Vorsitzende im Vorstand geführt wird. Aktualität ist der absolute Grundsatz, den jeder verinnerlichen sollte.

Darüber hinaus sollte aber jeder die eigene Website auch vermehrt als den zentralen Ort ansehen, auf dem die eigene Arbeit nicht nur zeitnah, sondern auch so vollständig und transparent wie möglich dargestellt wird. Alle Reden, öffentliche Termine, etc sollten auffindbar sein. Dies gilt jedoch nicht für private Inhalte.

5. Privates bleibt zuhause

Politik ist auf jeder Ebene harte Arbeit und sollte ab einem gewissen Grad nicht mit Privatleben vermischt werden. Dies sollte auch für Websites gelten, die diese politische Arbeit abbilden. Zwar schaffen private Inhalte eine gewisse Nähe, aber auch zu einem nicht unbedeutenden Preis.

6. Manchmal ist eine einzelne Webseite auch mehr

Es ist vollkommen klar, dass nicht jeder politisch Aktive und jede politische Gruppe immer in der Lage ist, umfangreiche Websites mit detaillierten Inhalten zu füllen. Statt aber dennoch auf eine große schlecht geführte Website zu setzen oder gar auf eine eigene Website zu verzichten, ist es meiner Meinung nach absolut akzeptabel, nur eine einzelne Webseite mit den wichtigsten Basisdaten zu veröffentlichen. So ist man dennoch im Internet zu finden und man kann selbst Einfluss auf die eigene Wahrnehmung ausüben.

7. Bilder sagen mehr als tausend Worte

Klickt man regelmäßig durch politische Websites, fällt einem immer wieder auf, dass diese abseits des eigentlichen Designs zumeist reine Textwüsten sind. Die Aussagekraft eines Bildes wird völlig unterschätzt. Gerade in Zeiten, in denen fast jeder immer besser werdende Kameras in seinem Handy hat, ist dies mehr als verwunderlich.

8. Auf Spannung, Spiel und Spaß achten

Je näher ein Wahlkampf rückt, desto ernster werden in der Regel politische Websites. Keiner will mehr Fehler machen. Es gibt nur wenige positive Experimente (wie beispielsweise die Fotoaktion oder das Mitgliederranking vom teAM Deutschland), bei denen auch an Spannung, Spiel und Spaß gedacht wurde. Mehr davon. Ich frage mich ernsthaft, warum ich in Deutschland noch nie etwas über Gamification im politischen Umfeld gelesen habe. Wenn ich mich Wahlkampf engagiere, will ich doch auch etwas davon haben. Und wenn es nur Anerkennung ist.

9. Kräfte kann man auch bündeln

Bei parteipolitischen Gruppen ist der Beauftragte für Internetangelegenheit eine wunderbare Erfindung. Gerne wird er bei Vorstandswahlen als vorletztes vor dem Beauftragen für Mitgliedergewinnung vergeben. Und gerne greift man dabei auf jemanden zurück, der schon einmal selbst eine Website ins Internet gestellt hat und somit jede Menge Erfahrung im Vergleich zu den anderen hat. Ok. Etwas zynisch. Aber oft beobachtet. Das grundsätzliche Problem ist aber, dass der Beauftragte für Internetangelegenheit gerne in seiner Arbeit alleine gelassen wird. Statt Teil einer Gesamtstrategie zu sein, ist die Website eher nur ein lästiges Anhängsel. Das Gegenteil ist aber der Fall. Die Website sollte das zentrale Element einer jeden Gruppierung sein, bei dem jeder vollen oder zumindest nur leicht eingeschränkten Zugriff hat und bei dem sich jeder aktiv beteiligen kann.

10. Die eigenen Leute nicht vergessen

Was ist eigentlich die Zielgruppe einer parteipolitischen Website? Oft habe ich den Eindruck, dass diese überwiegend für Nicht-Parteimitglieder gepflegt werden, die allerdings nur selten und eher zufällig die Website besuchen. Dies mag bei Websites von Einzelpersonen auch noch stimmen. Aber spätestens bei politischen Gruppierungen wird meiner Meinung nach die Ansprache der eigenen Leute immer wichtiger. Sie sind es, die die eigene Inhalte verinnerlichen müssen. Denn sie tragen die Inhalte nach außen und müssen diese dort vertreten.

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