Internetberatung Sven Przepiorka

Hurra! Aber …

· Netzpolitik · ·

Am Mittwoch fand die cnight im Konrad-Adenauer-Haus auf Einladung der CDU Deutschlands, der Mittelstandsvereinigung MIT und dem netzpolitischen Verein cnetz statt. Mit über 1000 Gästen, einem hochkarätig besetzten Podium und einer überraschend gut aufgelegten, teilweise aggressiven Kanzlerin kann man von einer gelungenen Veranstaltung sprechen.

Nach einer routiniert allgemeinen Rede drehte Angela Merkel in der Diskussion mit Eduard Sailer, Geschäftsführer Technik von Miele, und Oliver Samwer, Chef von Rocket Internet, ordentlich auf. Hier zeigte sich dann auf das grundsätzliche Problem beim Aufeinandertreffen von Politik und Netzwirtschaft: die meisten IT-Leute sind stets schlecht vorbereitet. Für mich ist es völlig unverständlich, dass man als Oliver Samwer nicht aus dem Stand einige Forderungen an die Politik stellen kann. Das wertvollste, was die Kanzlerin anzubieten hat, ist Zeit. Und die wurde von Oliver Samwer gnadenlos verschenkt. Als Entschuldigung kann auch nicht herhalten, dass die Kanzlerin von Anfang zeigt, dass sie von Oliver Samwer und seinen Geschäftsmethoden nichts hält.

Der Talk zu den Herausforderungen der digitalen Transformation der Kommunen mit Thomas Jarzombek war eine gute Erholung, um später der anspruchsvollen Rede von Thomas de Maizière zu lauschen. Auch wenn er als großer Mahner auftrat und ich nicht alle seiner Aussagen teile, war es eine große, bemühte Rede, die der Veranstaltung würdig war. Auch das Panel mit Peter Altmaier war gut - auch wenn ich die ganze Zeit das Gefühl hatte, dass hier Potenzial verschenkt wird. Es gab zwar eine Fragerunde mit Peter Altmaier, was sicher auch seine Stärke ist, aber es wäre mehr drin gewesen. Über die abschließende Rede von Alexander Dobrindt muss man eigentlich nichts sagen. Sie war schlecht vom Referenten vorbereitet und genauso schlecht vorgetragen. Eine typische Rede am Ende einer Veranstaltung, die man sich hätte sparen können.

Insgesamt gesehen war die Veranstaltung, die bereits um 15 Uhr anfing, ein wenig zu lang. Es wäre schön gewesen, wenn man bereits etwas früher in das Kennenlernen der Anwesenden hätte einsteigen können.

Trotz allem war die Veranstaltung wirklich gelungen. Es war die erste Veranstaltung der CDU, bei der ich wirklich spüren konnte, dass Netzpolitik grundsätzlich in der DNA der CDU angekommen ist. Insofern war die cnight ein großer Erfolg!

Ein Erfolg für die Kanzlerin.
Ein Erfolg für die CDU.
Und sicher auch ein Erfolg für Peter Tauber.

Aber kein Erfolg für das cnetz. Der Verein war zwar mit einem eigenen Stand anwesend, wurde zu Beginn der Veranstaltung auch kurz erwähnt und sicherlich wurden auch ein paar Neumitglieder geworben, aber das Potenzial von so einer Veranstaltung wurde meiner Meinung nach dennoch verschenkt. Mir ist kein Pressebeitrag bekannt, indem das cnetz nennenswert aufgeführt wird. Auch auf dem Podium ging das cnetz völlig unter. Im Vorfeld wurden zwar verschiedene Themenpapiere erarbeitet, die man auch am Stand erhalten konnte, aber in den Diskussionsrunden auf dem Podium spielten sie keine Rolle. Gerade das Panel mit Peter Altmaier wäre ideal gewesen, um über die Themenpapiere und den daraus resultierenden Forderungen zu diskutieren. Bis heute finde ich die Papiere nirgends. Zumindest als Mitglied würde ich sie vielleicht auch gerne gelesen. Aber auch auf der Website würden sie sicherlich gut wirken. Generell zur Website vom cnetz. Es kann doch nicht sein, das so eine Veranstaltung erst ein paar Tage vor dem Termin auf der Website und dann sogar nur mit einer Verlinkung zur cdu.de zu finden ist. Keine Pressemitteilung vorher, keine danach. Nichts.

Mir ist klar, dass es dafür lauter gute Gründe geben wird. Die Vorbereitung der Veranstaltung war sicherlich für den Vorstand und alle Helfer intensiv und zeitraubend. Und sie kann in der Regel auch nur in der Freizeit stattfinden, was auch nicht gerade hilfreich ist.

Aber muss man dann nicht darüber reden, wie man die vorhandene Zeit und Energie anders einteilt? Eine gewisse Öffentlichkeitsarbeit muss doch gewährleistet sein. Ich sage meinen Kunden immer, dass ein Termin, über den man nicht selbst mit einem Text und Bild auf der eigenen Homepage berichtet, grundsätzlich nicht stattgefunden hat. Das gilt meiner Meinung nach auch für das cnetz.

Wenn das Argument dagegen lautet, dass sich das cnetz eher als Think Tank sieht, muss die Frage erlaubt sein, warum es dann so entscheidend ist, dass der Think Tank immer mehr Mitglieder bekommen soll. Für einen reinen Think Tank sollte dann eher Qualität und nicht Quantität gelten.

Mir ist klar, dass ich hier meckere und einigen guten Leuten auf den Schlips trete, die im Vorfeld der Veranstaltung sicherlich einen tollen Job gemacht haben. Und natürlich hätte ich mich auch selbst einbringen können. Was ich am Ende auch gerne spontan für die CDU gemacht habe. Mir geht es aber um das grundsätzliche.

Im cnetz läuft es meiner Meinung nicht rund und ich denke, dass es Zeit ist, darüber zu reden. Man kann den Erfolg der cnight durchaus feiern, aber das cnetz sollte sich dennoch kritisch hinterfragen.

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