Internetberatung Sven Przepiorka

Krieg, wir haben Krieg!

· Netzpolitik · ·

Ansgar Heveling erklärt heute in einem Gastbeitrag im Handelsblatt der jungen Internet-Generation den Krieg und pulverisiert damit alle zaghaften Versuche einer konservativen Netzpolitik.

Vormerkungen

Bevor ich loslege, mich über die Äußerungen von Ansgar Heveling aufzuregen, vorab ein paar kurze allgemein Bemerkungen. Mir ist völlig klar, dass die Themen Internet, Netzpolitik und die daraus folgenden gesellschaftlichen Prozesse bei mir persönlich einen höheren Stellenwert haben als etwa bei anderen Personen. Und sicherlich gebe ich meinen Themenschwerpunkten mehr Gewicht als vielleicht nötig. Ich halte dies aber im Rahmen einer Partei - besonders in einer Volkspartei - für normal. Denn sie schafft im Idealfall den Ausgleich.

Doch gerade im Themenumfeld des Internets ist leider in meiner Partei ein zunehmender Lager- bzw. Kulturkampf festzustellen. Die Truppen der Innen- sowie Rechtspolitiker haben sich in der Vergangenheit deutlich gegenüber den Netzpolitikern positioniert. Heute gab es nun mit dem Gastbeitrag von Ansgar Heveling im Handelsblatt die öffentliche Kriegserklärung an alle, die mit dem Internet arbeiten und für das Internet leben.

Leider ist der Artikel beim Handelsblatt noch nicht online zu finden. Zwar schwirren schon ein paar Scans durch das Internet, doch einen Link dahin werde ich nicht setzen. Gerade Leuten wie einem Herrn Heveling würde dies nur noch in die Hände spielen. Ich sage nur Urheberverletzung. Zitate sind mir hier ebenfalls zu unsicher. Selbst bei einem Link zum Handelsblatt fühle ich mich unsicher, ob dies in seinem Rechtsverständnis möglich ist.

Zum eigentlichen Beitrag

Der Gastbeitrag von Ansgar Heveling unterschreitet jede Niveau-Grenze, die ich von einem Bundestagsabgeordneten erwarte. Er spricht darin von Endkämpfen, Revolutionen, fließendem digitalen Blut, verbrannter Erde, etc. Äußerungen wie etwa, dass Twitter einer zweiten Pupertät gleicht, sind dagegen noch harmlos. Ich finde die Äußerungen als Mitglied des AK Netzpolitik der CDU Deutschland beschämend und fühle mich zutiefst beleidigt. Nicht nur, weil er damit versucht, alle zaghaften Ansätze konservativer Netzpolitik zu pulverisieren. Und wenn ich nicht wüsste, dass es eh nichts bringt, würde ich eine Entschuldigung verlangen.

Der Text ist eine Kriegserklärung an alle, die tagtäglich innerhalb der CDU für das Internet und die damit verbunden Chancen eintreten.

Ich nehme die Kriegserklärung gerne an. Andere wahrscheinlich auch. Auch im Bewusstsein, dass wir zahlreiche Flanken offen haben und zahlreiche Schlachten verlieren werden. Dennoch werden wir so oder so gewinnen. Entweder direkt innerhalb der Partei auf konstruktive Art und Weise in einem fairen Dialog. Oder eben nach Niederschlagung und Vertreibung in dieser, wenn wir, die im Internet leben und arbeiten, uns in andere Parteien oder gar ins Ausland absetzen, um dort unser Kapital und unsere Produktivität einzubringen. Die Partei wird in diesem Falle nur noch langfristig dem traurigen Beispiel der FDP folgen können.

Die digitale Revolution lässt sich nicht aufhalten. Man kann sie nur noch mitgestalten. Statt irgendwelche sinnlosen Kulturkämpfe auszutragen, sollten wir uns lieber darauf konzentrieren.

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