Internetberatung Sven Przepiorka

Definition von Weblogs

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Obwohl in Deutschland mittlerweile über 1000 Weblogs existieren, gibt es keine allgemeingültige Definition vom Begriff Weblog. Nahezu jeder Betreiber eines Weblogs, der umgangssprachlich auch Blogger genannt wird, definiert den Begriff anders. Um einen ersten Eindruck über die unterschiedlichen Meinungen zu geben, werden zunächst einige Zitate von bekannten Blogger aufgelistet:

Thomas Gigold

Ein Weblog ist ein Tagebuch, Notizblock, Logbuch und die Inkarnation des Hypertext. In einem Weblog kommentiert der Schreiber seine Surftour im Internet; ähnlich der Schiffskapitäne die ihre Reiseroute in einem Logbuch festhalten. Unterschied hierbei ist, dass ein Blogger ein Hypertext-Eintrag macht, indem er seinen Logbuch-Eintrag mit Links zu anderen Seiten untermalt. [...] Neue Einträge stehen chronologisch sortiert meist an oberster Stelle eines Weblogs.

Gerhard Schoolmann

Weblogs sind bekannt geworden als persönliches Sites, die eine Liste von kommentierten Links zu anderen Web-Sites oder auch News oder Berichte über selbst Erlebtes erhalten. Sie erfüllen damit eine ähnliche Funktion wie Zeitschriften und selektieren Lesenswertes für andere. Diese Selektion ist persönlich, nonkonformistisch, bisweilen sarkastisch. Weblogs erinnern insoweit an Fernseh-sendungen wie die Harald-Schmidt-Show oder TV Total.

Robert Basic

Blogs sind Newsseiten, wobei man jede News kommentieren und verlinken kann, das ist alles. Das Schönste: Blog Softwarelizenzen kosten entweder nichts oder nur einen Bruchteil von vergleichbaren Angeboten.

ver.di

Weblogs (kurz: Blogs) bieten jedem technischen Laien die Möglichkeit Inhalte ins Internet zu stellen. Der Internet-Nutzer muss nicht länger nur Informationen konsumieren, sondern kann diese auch kommentieren oder eigene Inhalte ins Netz stellen. Das Internet wird kommunikativ!

Reimar Kosack

Prinzipiell sind Weblogs persönliche Sites, die eine Liste von kommentierten Links zu anderen Web-Sites enthalten. [...] Die Idee ist aus dem Brauch entstanden, Freunden und Bekannten E-Mails mit interessanten Sites zu schicken. [...] Weblogs sind also ein Mischung aus Newsgroup, Messageboard und privater Homepage. Mit der extra entwickelten Software sind sie leicht und trotzdem individuell oder grafisch anspruchsvoll zu gestalten.

Der Tagesspiegel

Das ganz persönliche Internet-Magazin. Klatsch, Informationen, Selbstbespiegelung und Poesie. Nicht ganz so exhibitionistisch und banal wie Webcams. Bilder und Text irgendwo zwischen Monica Lewinsky und Wer-bin-ich-eigentlich?

Jürgen Albrecht

Weblogs sind eine Nachrichtenbörse. Das Internet wird gefiltert und die (subjektive) Selektion wird der Weblog Community online mitgeteilt. Weblogs sind deshalb das schnellste Medium für die Verbreitung von Nachrichten im Internet

jimmiz journal

Ein Weblog ist bisher auch nicht mehr als eine Seifenkiste, auf die der Blogautor steigt und der ganzen Welt sein Seelenheil verkündet. Nicht besser als jede Medicine Show im Wilden Westen. Oder der Speakers Corner am Hyde Park.

Nordwest Zeitung

Fotoalbum, Nachrichtenbörse oder Tagebuch: Weblogs sind so unterschiedlich wie die Menschen, die sie betreiben. Mit einfach zu bedienender Software kann praktisch jeder Mensch zum Blogger werden.

Trotz dieser teilweise unterschiedlichen Meinungen gibt es auch grundlegende Übereinstimmungen. Im wesentlichen sind sich die meisten Blogger in der internationalen Weblog-Szene einig, dass ein Weblog eine chronologische Auflistung von Informationen im WWW ist, wobei dabei immer die aktuellsten Beiträge zuerst aufgeführt werden. Obwohl einige Leser durch diese umgekehrten zeitliche Anordnung verwirrt werden können, hat sie auch einige Vorteile, wie beispielsweise Meg Hourihan in ihrem Beitrag What We're Doing When We Blog darauf hinweist:

When a reader visits a weblog, she is always confronted with the newest information at the top of the page. Having the freshest information at the top of the page does a few things: as readers, it gives a sense of immediacy with no effort on our part. We don't have to scan the page, looking for what's new or what's been changed. If content has been added since our last visit, it's easy to see as soon as the page loads. Additionally, the newest information at the top (coupled with its time stamps and sense of immediacy) sets the expectation of updates, an expectation reinforced by our return visits to see if there's something new. Weblogs demonstrate that time is important by the very nature in which they present their information. As weblog readers, we respond with frequent visits, and we are rewarded with fresh content.

Aus dieser umgekehrten zeitlichen Anordnung der Beiträge lässt sich auch der Begriff Weblog ableiten: ein
Logbuch der eigenen Aktivitäten im WWW. Oder wie es Peter Praschl ausdrückt:

Chronik dessen, was man im Netz macht. Also: eine Art persönlicher Filter, Reader's Digest, der öffentlich gemacht wird - als ganz normale Webseite.

Der Begriff Weblog kann jedoch auch sehr irreführend sein, da er oft mit den Zugriffsprotokollen von Webservern verwechselt wird. Daher wird auch gerne die verkürzte Version Blog verwendet.

Dem Inhalt dieser Beiträge sind keine Grenzen gesetzt - außer durch die persönlichen Fähigkeiten des Bloggers. In den meisten Fällen bestehen sie aus stets aktuellen Beiträgen, die eher persönliche Meinungen als neutrale, sachliche Informationen wiedergeben. Zudem beinhalten sie in der Regel einen weiterführenden Link und sind kommentierbar. Weitere Kriterien eines Weblogs können die Auflistung anderer Weblogs, die Adressierbarkeit einzelner Beiträge und kalendarische Navigationshilfen sein. Eine bis jetzt weitgehend ungeklärte Frage ist, ob ein Weblog unbedingt durch ein spezielles Weblog-System betrieben werden muss oder ob eine manuell gestaltete Webseite auch schon ein Weblog sein kann.

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