Im Folgenden sollen einzelne Funktionen eines Web-Content-Management-Systems betrachtet und gleichzeitig überprüft werden, ob diese auch von einem Weblog-System erfüllt sind. Die Zusammenstellung der Funktionen eines Content-Management-Systems orientiert sich am Buch "Content Management mit XML" von Rothfuß und Ried.
- Zugangskontrolle: Die meisten Weblog-Systeme ermöglichen mittlerweile die Registrierung individueller Benutzer sowie das Anlegen von Benutzergruppen. Die von professionellen Content-Management-Systemen gewohnte Vergabe von Schreib- und Leserechten für einzelne Newsbeiträge bzw. Webseiten fehlt jedoch bei den derzeitigen Weblog-Systemen.
- Protokollfunktion: Zur Zeit gibt es in Weblog-Systemen keine extra implementierte Protokoll-funktionen. Es ist aber auch fraglich, ob diese überhaupt benötigt werden, weil jedem neuen Newsbeitrag per Definition ein Zeitstempel eindeutig zugeordnet und dadurch die Vorgehensweise des Benutzers eh protokolliert wird.
- Datensicherung / Rollback: Eine automatische Datensicherung hat in Weblog-Systemen keine Bedeutung. Der Blogger kann sich hierbei lediglich auf eine externe Backup-Lösung verlassen. Weblog-Systeme haben eben keine Protokollfunktion und ermöglichen daher auch kein Rollback bei einzelnen Newsbeiträgen.
- Metainformationen und Verwaltungsfunktionalität: Hier tritt ein deutlicher Unterschied zwischen Weblog-Systemen und CMS zutage. Bei letzteren ist die Fähigkeit zur Anreicherung der verwalteten Objekte mit Metadaten ein wesentliches Merkmal. Weblog-Systeme beachten dagegen kaum Metainformationen. Zudem bieten Weblog-Systeme nur eine rudimentäre Verwaltungsfunktionalität. So gibt es beispielsweise keine Tools, um sogenannte "tote Links" innerhalb der Website zu finden.
- Anfragefunktionen: In den einfach strukturierten Weblog-Systemen werden bedauerlicherweise nur sehr wenige Anfragen direkt unterstützt. Die typischerweise umgesetzten Anfragen sind u.a. die Volltextsuche in den Newsbeiträgen, ein Archiv und eine Liste von Webseiten, die auf die eigene Website linken.
- Massenoperationen: Der Einsatz von Massenoperationen sind in traditionellen CMS häufig nur über zusätzliche Makrosprachen möglich Ähnlich sieht es bei den Weblog-Systemen aus, wo erst mit Hilfe von zusätzlichen Perl- bzw. PHP-Skripten die gewünschten Ergebnisse erzielt werden können. Das Open-Source-Modell der meisten Weblog-Systeme und ihre einfache Datenstruktur erleichtern jedoch solche Vorgänge.
- Bearbeitung: Die Bearbeitung von Content ist bei Weblog-Systemen relativ unkompliziert. Daher handelt es sich in den meisten Fällen um puren Text bzw. HTML-Code. Als Editor für die Eingabe werden gewöhnliche Formularfelder benutzt, die durch den Webbrowser dargestellt werden. Mittlerweile bieten sogar einige moderne Weblog-Systeme auch WYSIWYG-Editoren für die Gestaltung der Inhalte an.
- Workflow: Im Gegensatz zu den traditionellen CMS kennen Weblog-Systeme in der Regel nicht das Konzept des Content Lifecyle. Ein neuer Newsbeitrag ist unmittelbar nach dem Ablegen in der Datenbank auf der Website verfügbar. Ein komplexer Workflow, also ein mehrstufiges Freischalten des Newsbeitrages durch verschiedene Redakteure, ist nicht möglich. In den aktuellsten Versionen von bekannten Weblog-Systemen ist allerdings die Möglichkeit hinzugekommen, das der Autor selbst entscheiden kann, ob der Newsbeitrag sofort veröffentlicht oder erst im Archiv zwischengespeichert werden soll.
- Gestaltung: Da bei den meisten Weblog-Systemen der Content in einer Datenbank abgespeichert wird, ist die Trennung von Content und Layout zwangsläufig realisiert. Die Generierung von gültigem HTML-Code für die Anzeige im Browser erfolgt mittels einfacher Templates, die durch den Blogger jeder Zeit anpassbar sind. Zur Formatierung des Textes stehen nur die herkömmlichen HTML-Tags zur Verfügung.
- Fremdformatwandlung: Die wichtigste Im- und Exportschnittstelle beim Schreiben eines Newsbeitrag ist wahrscheinlich die Copy & Paste-Funktion des Webbrowsers. Das Hauptproblem bei der Wandlung verschiedener Formate, nämlich die oftmals drastisch unterschiedliche Expressivität, reduziert sich bei der Konvertierung in oder aus einfachem Text erheblich. Explizite Im- und Export-Schnittstellen zu bestimmten Formaten sind nur in wenigen Weblog-Systemen umgesetzt. Schnittstellen zu gängigen Formaten wie Word, Excel oder PDF fehlen vollständig.
- Link-Stabilität: Obwohl Links ein wesentlicher Bestandteil von Weblogs sind, gibt es in den dazugehörigen Systemen keine Tools zur Überprüfung der Link-Stabilität. Somit kann sie auch zu keiner Zeit gewährleistet werden, und es hängt allein von der jeweiligen Arbeitsmoral des Bloggers ab, ob ein Link ins Leere führt oder nicht.
Ein Weblog-System ist sicherlich kein vollständiges Content-Management-System. Beide haben weitgehend unterschiedliche Anwendungsbereiche mit nur einer kleinen Schnittmenge. Content-Management-Systeme bestehen aus zahlreichen Features und beschäftigen sich daher mehr mit dem Management einer Website als mit deren Content. Weblog-Systeme sind dagegen sehr einfach strukturiert. Im Mittelpunkt der Software steht immer das Vorhaben, Content möglichst einfach zu veröffentlichen. Die Entwicklung eines Weblog-Systems stellt somit immer den Versuch dar, die kleinste Menge von Funktionen zu finden, die nötig ist, um auf Basis des WWW ein brauchbares Publishing Tool zu bilden. Die meisten Entwickler vergessen dabei aber, dass es sehr unterschiedliche Anwendungsmöglichkeiten von Weblogs gibt und dass deswegen auch sehr unterschiedliche Weblog-Systeme entwickelt werden müssen.
